Therapeutische Übungen werden häufig handschriftlich dokumentiert.
Dabei werden Angaben wie Datum, Uhrzeit und Empfindungen vor, während und nach der Übung festgehalten.
Gerade bei Expositionsübungen ist diese Dokumentation wichtig, weil sie Verläufe sichtbar macht und die therapeutische Arbeit unterstützt.
Beispiel eines klassischen handschriftlichen Therapietagebuchs als Ausgangspunkt des digitalen Konzepts.
Im Alltag ist dieser Prozess jedoch oft aufwendig. Handschriftliche Einträge sind schwer vergleichbar, nicht sofort verfügbar und erzeugen zusätzliche Medienbrüche zwischen Durchführung, Reflexion und therapeutischer Auswertung.
OCD Diary setzt genau an diesem Punkt an und überführt einen bestehenden therapeutischen Dokumentationsprozess in eine digitale, strukturierte und alltagstaugliche Form.
OCD Diary ist als digitales Dokumentationssystem für therapiebegleitende Übungen konzipiert. Klientinnen und Klienten können ihren Übungsverlauf einfach festhalten, inklusive Zeitpunkt, Dauer, subjektiver Belastung und ergänzender Notizen. Therapeutinnen und Therapeuten erhalten eine strukturierte Grundlage, um Sitzungen gezielter vorzubereiten und Entwicklungen schneller einzuordnen.
Die Anwendung soll den Aufwand der Dokumentation reduzieren, die Nachvollziehbarkeit verbessern und die Verbindung zwischen Alltag und Therapiesitzung stärken.
OCD Diary verbindet eine mobile Anwendung mit einer Weboberfläche. In der mobilen Nutzung werden persönliche Einträge, Übungsdauer, Datum, Texte und die Einschätzung des Belastungsverlaufs erfasst. In der Webanwendung werden diese Informationen strukturiert angezeigt und grafisch aufbereitet.
Die Anwendung ist dabei auf einen klaren Rollenbezug ausgelegt. Nach der Einrichtung wird eine feste Zuordnung zwischen Klientin oder Klient und Therapeutin oder Therapeut hergestellt, damit Einträge nur im jeweils vorgesehenen Behandlungszusammenhang sichtbar sind.
Die Weboberfläche bietet eine strukturierte Übersicht über dokumentierte Übungen und deren Verlauf.
Diagramme und klar gegliederte Ansichten erleichtern die Einordnung von Entwicklungen, die Vorbereitung von Sitzungen und die Anpassung therapeutischer Schritte.
Damit wird aus einzelnen Alltagseinträgen eine nachvollziehbare Grundlage für die therapeutische Begleitung.
Die mobile Anwendung ist auf eine einfache, ruhige und funktionale Nutzung im Alltag ausgelegt.
Einträge sollen ohne unnötige Hürden möglich sein.
Erfasst werden kann, wie eine Übung vor, während und nach der Durchführung erlebt wurde.
Ergänzend lassen sich Gedanken, Empfindungen und persönliche Notizen festhalten.
Die Gestaltung ist bewusst zurückhaltend gedacht, damit die Nutzung konzentriert, verständlich und möglichst stressarm bleibt.
Zwangsstörungen betreffen einen relevanten Teil der Bevölkerung. Nach Einschätzung des Max Planck Instituts für Psychiatrie sind etwa 2 bis 3 Prozent der Bevölkerung in Deutschland betroffen.
Bei einem Anteil von 3 Prozent entspricht das rund 2,49 Millionen Menschen.
Wenn nur die Hälfte dieser Betroffenen therapeutische Unterstützung benötigt, ergibt sich ein potenzieller Behandlungsbedarf von etwa 1.245.000 Menschen.
Dem gegenüber stehen in Deutschland etwa 8772 Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, ergänzt durch Fachkräfte aus der Psychiatrie.
Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Versorgungskapazität begrenzt ist. (Q.5)
Bei einer maximalen Auslastung von etwa 7 Patientinnen und Patienten pro Tag und einer 5 Tage Woche kann eine Therapeutin oder ein Therapeut rechnerisch etwa 35 Patientinnen und Patienten parallel betreuen. (Q.1)
Diese Zahlen zeigen eine deutliche Diskrepanz zwischen Behandlungsbedarf und vorhandener Versorgungskapazität.
Lange Wartezeiten und eine hohe Arbeitsbelastung für Therapeutinnen und Therapeuten sind daher strukturell kaum zu vermeiden.
Die durchschnittlichen Kosten einer Psychotherapie betragen etwa 3.725 Euro bei einer durchschnittlichen Dauer von 46 Sitzungen über rund 20 Monate. (Q.6)
Bei einer maximalen Versorgungskapazität ergibt sich daraus ein Gesamtvolumen von rund 1,1 Milliarden Euro für die Behandlung von Zwangsstörungen in Deutschland. (Q.5) (Q.6)
Diese Zahl verdeutlicht die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der Versorgung psychischer Erkrankungen.
Die Anwendung soll Therapeutinnen und Therapeuten im Behandlungsalltag unterstützen, Prozesse strukturieren und dadurch vorhandene Kapazitäten effizienter nutzbar machen.
Digitale Werkzeuge können Therapie nicht ersetzen. Sie können jedoch helfen, Dokumentation, Selbstbeobachtung und Verlaufserfassung zu vereinfachen und damit wertvolle Zeit im therapeutischen Prozess freisetzen.
Wenn durch digitale Unterstützung jede Therapeutin oder jeder Therapeut nur eine zusätzliche Patientin oder einen zusätzlichen Patienten betreuen könnte, würde dies bei 8772 Therapeutinnen und Therapeuten einem zusätzlichen Versorgungswert von etwa 32,6 Millionen Euro über 20 Monate entsprechen.
Eine Verbesserung der Versorgungssituation betrifft mehrere gesellschaftliche Akteure.
Psychotherapeutische Verbände
setzen sich für bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Versorgung ein.
Gesundheitssystem und Krankenkassen
können durch frühzeitige Behandlung langfristige Folgekosten reduzieren. (Q.8)
Pharma und Gesundheitsunternehmen
treiben die Digitalisierung medizinischer Prozesse voran.
Staatliche Institutionen
arbeiten daran, die Versorgung psychischer Erkrankungen strukturell zu verbessern. (Q.8)